Boa tarde, amigas e amigos,
schon melden wir uns mal wieder aus dem inzwischen heißen, sonnigen Portugal!
Für eine kleine, schöpferische Pause haben wir uns gestern, dem 27 Juni, und heute, auf einem echt portugiesischen Campingplatz am Strand niedergelassen. Wir brauchten mal wieder ein wenig Sonne und Meer um den Akku aufzuladen, damit wir das nahe liegende Porto frisch und fröhlich erkunden können. Heute hatten wir einen herrlichen Strandtag hier am wilden Ozean. Ja, die gesamte Westküste ist wild und schön, große Sandstrände, nur unterbrochen von einigen Felsen oder angelegten Molen, das Meer immer mit großen Wellen, überall sind die Wellenreiter unterwegs und die Luft ist voller Ozon aus der sprühenden Gischt. Unterschiede gibt?s allerdings im Hinterland. Im Süden hat es ja viele Olivenhaine und Nadelbäume und Wein, dann kommt das Alentejogebiet, das uns so gut gefiel, weil wir uns mitten in der Savanne im entfernten Afrika wähnten. Der Boden schon völlig versteppt, die Bäume geformt, wie man sie von Bildern aus der Savanne kennt, die brennende Sonne, einfach toll. Dann haben wir noch einige Olivenhaine und vor allem den guten Alentejoweinanbau gesehen. Das letzte Drittel der Landschaft nun war nicht mehr so interessant, eher langweilig. Dafür die Küstenregion umso ursprünglicher. Davon nachher mehr, fangen wir von vorne an. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, in Lissabon.
Nachdem wir Jutta und Alexander morgens um fünf mit einem (oder waren?s zwei?) tränendem Auge zum Flughafen gebracht hatten, fuhren wir gleich weiter ins nahe Sintra, in dem wir ein echtes Märchenschloss besuchen wollten. Wir stellten uns auf den Parkplatz davor und legten uns noch ein Stündchen aufs Ohr, um dann ausgeruht den Hügel, auf dem das Schlösschen liegt, zu besteigen. Es ist eine Mischung aus Kitsch und Romantik, Märchenschloss oder Disneyland, eigentlich unbeschreiblich. Wir werden ein Foto mit liefern, damit ihr schon mal seht, wovon wir sprechen! Nach dem Örtchen Mafra, in dem wir einen gigantischen Königspalast besichtigt haben, fuhren wir ans Meer ins nahe liegende Ericeira, um dort am Strand zu übernachten. Der Königspalast in Mafra ist übrigens größer als sein Pendant in Madrid, wie wir so durch die Zimmer liefen fiel uns auf, dass das Schlafzimmer der Königin ca. 10 Minuten im Laufschritt entfernt vom Schlafzimmer des Königs war − ob die zwei sich oft des nachts getroffen haben? − die portugiesische Krone jedenfalls hat sich mit diesem Bau in ihrer Maßlosigkeit so heftig übernommen, dass fast der Staatsbankrott angemeldet werden musste.
Unser Übernachtungsplatz am Strand war, wie schon des öfteren, ein Parkplatz, der mit dem Schild: für Wohnmobile verboten, versehen war. Aber es kümmert sich keiner drum, na, vielleicht auch nur in der Vorsaison. Man hat wirklich den Eindruck, es stört keinen, egal wo man sich auch hinstellt. Das ist sehr angenehm und wir fühlen uns wohl und willkommen. Die Landschaft hier in dieser Gegend jedoch ist, wie gesagt, nicht sehr spektakulär und umso erfreuter waren wir über die von uns angesteuerte, in einem Reiseführer beschriebene, Lagoa de Obidos, eine traumhafte, riesengroße Lagune, mit ebenso großem Sandstrand, die uns so gut gefiel, dass wir gleich für diesen Tag hier blieben. Wir machten einen langen Strandmarsch und gingen am Abend in eine kleine Fischerkneipe zum essen. Am liebsten wären wir noch einen Tag geblieben, aber das Wetter war nicht so recht einzuschätzen, es ist morgens oft diesig vom rauen Ozean und geht dann erst gegen Mittag, früher oder später, richtig auf, und so fuhren wir dann doch lieber weiter zur Besichtigung des so genannten Rothenburg Portugals, nach Obidos. Es ist tatsächlich wunderschön und wir können uns, trotz total touristischem Flair, dem Zauber nicht entziehen. Es liegt, umgeben von der Burgmauer, am Hang unter einer Burg, die Gässchen unbeschreiblich schön mit Herz gestaltet, und uns ist klar, warum die Geschichte, die wir gelesen haben, stimmen muss: Ein König schenkte dieses Städtchen mal seiner Frau zur Hochzeit, und alle Nachfolger taten es ihm gleich. Barbara: das wäre auch für mich ein tolles Geschenk gewesen!
Nach dem Besuch von der Stadt Nazare, ach, wir wollten ja gar nicht so viel und so genau beschreiben, aber man muss es einfach tun, denn wir wollen euch ja nichts vorenthalten. Also, diese Stadt! Sie liegt direkt am Meer, die Unterstadt jedenfalls, denn die Oberstadt liegt oben auf einem ca. 100m hohen Felsen und ist durch eine steile Kabelbahn !! mit der Unterstadt verbunden. Früher, so erzählt man sich, durften die jungen Männer vom einen, keine Frauen vom anderen Stadtteil ehelichen − also unten die armen Fischer, oben die reichen Adligen! Der tolle Ausblick von da oben, einfach unbeschreiblich, auch hiervon müssen wir euch gleich ein Bild mit schicken.
So nun, am nächsten Morgen, geht?s gleich zu vier !! Besichtigungspunkten los, Alcobaca, Batalha, die Pilgerstadt Fatima und die Stadt Tomar mit ihrer Klosterburg. Puhh, das ist fast wie arbeiten, das kännt ihr uns glauben! Beginnen wir mit Alcobaca, das ist der Ort mit einem der reichsten und größten Klöster im Mittelalter, 1153, und gehört zum Weltkulturerbe. Wenn man davor steht wird man fast ehrfürchtig und dann noch der Innenraum, auch die dazugehörige Kathedrale, gigantisch! Auch hierzu müssen wir noch schnell eine kleine Geschichte erzählen, eine echte Liebesgeschichte. Der Sohn des im 14. Jh. regierenden Königs verliebte sich unsterblich in die Tochter einflussreicher, spanischer Gutsherren. Da er das Verbot dieser Heirat nicht akzeptieren wollte wurde seine Geliebte getötet. Bei seiner Inthronisation verlangte er von jedem seiner Anhänger, nicht nur seine Hand zu küssen, sondern auch die verweste Hand seiner Ines. Dann wurde Ines in der Klosterkirche bestattet und die Grabmale später so angelegt, dass seine und ihre Füße zueinander lagen, damit sie sich am Tage des jüngsten Gerichtes sofort in die Augen schauen können. Ist das nicht eine traurig-schöne Liebesgeschichte? Aber auch zum nächsten Ort, Batalha, dessen Kloster ebenso mächtig ist, gibt es eine tolle Geschichte! Abgesehen davon, dass an diesem Komplex 150 Jahre lang, von 1388 an, gebaut wurde und sechs verschiedene Könige ihre Vorstellungen dazu einbrachten, lautet die Sage, die überhaupt zum Bau dieses Klosters führte, so, dass eine ganz wichtige Schlacht gegen Kastilien, in der es den Portugiesen gelang, die fünfmal so große und besser ausgerüstete Armee der Spanier zu besiegen. Es war wohl der entscheidende Sieg für die portugiesische Unabhängigkeit, bei dem jeder mitkämpfte und der Sage nach eine tapfere Bäckerin mit ihrem großen Teiglöffel alleine fünf Spanier niedergestreckt und dann in ihren Backofen befördert haben soll, wo diese dann verbrannten.
Tja, das was hier zum einen die Liebe und zum anderen der Mut waren, das ist im nächsten Ort Fatima die Legende um eine heilige Erscheinung, das Wunder von Fatima, im Jahr 1917. Also, nur kurz: drei Hirtenkinder hüteten eine kleine Herde unweit von Fatima. Dort erschien ihnen eine weiße Dame, die sich als Maria, Mutter Gottes, ausgab. Sie gab ihnen drei Weissagungen mit auf den Weg, die letzte lag bis zum Jahr 2000 im Tresor des Vatikans. Diese jetzt im Einzelnen auszuführen, würde doch zu weit führen. Mehr davon, wer mag, zu Hause. Vom Monat Mai an wiederholte sich jeden 13. des Monats die Erscheinung. Bei der letzten fanden sich um die 70.000 Menschen ein. Jedoch einzig und allein den drei Hirtenkindern offenbarte sie sich als Maria und wünschte sich den Bau einer Kapelle auf Erden. Dies geschah und mittlerweile hat man um diese Kapelle herum eine größere, moderne Kapelle gebaut, und einen riesigen Sammelplatz vor der Basilika, der bis zu 200.000 Menschen fasst, erstellt. Jährlich am 13. des Monats, von Mai bis Oktober, finden sich tausende Pilger aus aller Welt ein, TV-Übertragungen finden statt. Menschen rutschen auf Knien zu der Stelle, an der die Erscheinung stattfand. Auch alte, gebrechliche, kranke und hoffnungsvolle. Um diesen Platz und das wundersame Ereignis herum tun sich uns dann allerdings abstruse Souvenir-Verkaufsstände auf. Es wird alles verkauft, was nur annähernd damit zu tun hat. Das Obskurste sind für uns die Gebeine aus Plastik, die Innereien, Herzen, Beine und Hände, Köpfe und sonstiges, selbst Brüste werden angeboten. Wofür, bleibt unserem Verstand verborgen, vielleicht können uns Gläubige ja aufklären.
Unser spätnachmittagliches Endziel ist Tomar, die Stadt mit einer weiteren tollen Burg, die wir aber erst am nächsten Morgen besichtigen wollen, aus euch sicherlich verständlichen Gründen. Einen kleinen Stadtbummel machen wir aber doch noch, besorgen noch ein paar Kleinigkeiten zum Essen und machen uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Irgendwie werden wir nicht so recht fündig und fahren aus der Stadt raus, wo uns bereits eine riesige römische Wasserleitung aufgefallen ist, an der wir weitere Wohnmobile vermuten. Dem ist nicht so, aber wir treffen zwei Portugiesen an, die uns auf Deutsch begrüßen: wo wollet se denn hin? und fragen, ob sie uns helfen können. Offensichtlich haben diese Portugiesen in Stuttgart gearbeitet. Wir kamen nicht mehr dazu, danach zu fragen, aber wir teilen unseren Wunsch mit und sie verweisen uns auf den Parkplatz vor der Schule oben im Dorf. Na prima, dann hätten wir?s ja. Wunderbar ruhig und sicher schlafen wir hier und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg zur Burg, die absolut sehenswert ist, aber wir geben zu, das Äquadukt der Römer hat uns ebenso beeindruckt, es ist sogar noch begehbar, was uns natürlich gut gefiel, denn, bedenkt nur, was Paul so für Foto-Möglichkeiten auftun. Ein kleiner Schreck verzögerte unseren Rückweg noch, zwei große Hunde lungerten um unser Wohnmobil herum, was uns kurz ein wenig Respekt einflösste, denn einer legte sich dann wie ein Wachhund vor die Tür. Aber wir gingen mutig auf sie zu und machten ihnen klar, dass es sich hierbei um u n s e r Wohnmobil handelte, das verstanden sie dann und machten und Platz. Dafür bekamen sie noch unser so genanntes Fischbrötchen, was schon vertrocknet und eigentlich für die Fische gedacht war. Sie dankten uns das und trollten sich von dannen.
Wir starteten dann Richtung Coimbra, der Stadt, die gemeinsam mit Setubal in Konkurrenz um die drittgrößte Stadt Portugals liegt. Es handelt sich um eine alte Universitätsstadt, schon 1308 wurde hier z.B. Medizin, Grammatik und Logik gelehrt. Wir rollerten einmal drumrum, um dann im Zentrum, am Ufer des Flusses Mondego, unseren Rundgang durch die am Hang liegende Altstadt zu starten. Wie immer werden die Gässchen immer schmaler und ursprünglicher, es gibt Geschäfte und Kneipen, die die vielen Stundenten so brauchen, die Atmosphäre ist mit so vielen jungen Leuten einfach toll und so gehen wir, zwischendurch mal wieder die eine oder andere Kirche besichtigend, weiter. Wir entdeckten ein uriges Restaurant, klein und mit diesen typischen blauen Kacheln geschmückt, mit schmiedeeisernen Gittern für Tische Nischen geschaffen, wo wir das MENU dos DIA, das Tagesmenü, bestellten. Gestärkt ging?s weiter immer steiler nach oben und nachdem nur noch ein schmaler Treppenaufgang zu besteigen ist tut sich uns das Universitätsgelände auf, das die Stadt auf einer riesigen Fläche förmlich krönt! Da diese großen Gebäude und Plätze so unerwartet vor uns lagen, blieben wir regelrecht baff vor Erstaunen stehen. Dann besichtigten wir diese, schleckten noch ein Eis, da es heute tierisch heiß war, und machten uns auf den Heimweg.
Donnerstag, den 26. Juni, waren wir schon Richtung Porto unterwegs, als uns noch ein Bericht über Aveiro, das Venedig Portugals, in die Hände fiel. Na, das ließen wir uns doch nicht entgehen und schauten auch noch diese Stadt an, die an drei Kannälen liegt an. Sie ist erstaunlich rausgeputzt, trotz ursprünglicher Atmosphäre sehr schön und modern restauriert, auch große Einkaufszentren und schicke Geschäfte. Hierzu im Gegensatz scheinen die auf den Kannälen schippernden Fischerboote in Form der Gondeln von Venedig, bunt angestrichen und mit besonderen Zeichen und Formen an der vorderen, nach oben gebogenen Spitze. Diese Zeichen wurden innerhalb der Familie vererbt und von jeder neuen Generation mit eigenen, neuen Motiven ausgeschmückt, sie stammen aus der Zeit, als noch nicht jeder lesen konnte und somit der Besitzer dokumentiert war. Es sieht herrlich aus, wir fahren durch das riesige Wattenmeer hinaus zum Strand, durch weiß schimmernde Salzgärten und fußballgroße Drahtgerüste zum Fischdörren. Die Strände zwischen Lissabon und Porto sind fast ausschließlich portugiesisches Urlaubsgebiet, Ausländer verirren sich wohl kaum hierher. Es hat durchweg herrliche, lange Sandstrände, nur hier und da malerisch von Felsen oder Molen getrennt, der Ozean ist wild und schäumend und kaum zum Baden geeignet. Wie schon geschrieben tummeln sich hier die Wellenreiter und Surfer, ein schönes Bild! Die Ortschaften sind die totalen Gegensätze, einmal die Fischerhäfen mit diesen schönen, bunten Booten, wobei wir sicher sind, dass die Leute zumindest zum Teil noch von diesem Fischfang leben, und zum anderen die vielen teuren Reihen- und Apartmenthäuser für die Urlauber. Genauso in Torreia, dem Ort, in dem wir eine Übernachtung einlegen, wo noch bis 1986 die Netze von angeheuerten Bauern mit deren Ochsen eingeholt wurden.
Wie anfangs beschrieben legten wir kurz vor Porto, hier in Esmoriz, noch mal eine kleine Verschnaufpause mit Strandtag ein, da wir ziemlich voll mit Eindrücken sind. Lustig ist noch kurz von den Campingplätzen zu erzählen, die ja, wie gesagt, fast ausschließlich von Portugiesen besucht sind. Irgendwie scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein, bei einem gab es z.B. nur zu bestimmten Zeiten warmes Wasser zum Duschen, bei dem anderen, der wie ein Gefängnis mit riesigem Stacheldraht umzäumt war, wurde nur von 9.30h bis 13.30h und von 15.30h bis 20.00h die − bewachte! − Tür zum Strand !! geöffnet. Alles eigentlich unmöglich auf internationalen Campingplätzen, macht aber eben den Charme des exotischen für uns aus, so wie wir uns übrigens hier auch zum Teil als Exoten fühlen und ebenso betrachtet werden. Es kommen wohl nicht viele Deutsche mit dem Wohnmobil in diese Gegenden nördlich von Lissabon, so wie wir dies schon auf unseren Reisen im Landesinneren auf der Silberstraße in Spanien und sogar im Süden Italiens und auf Sizilien erlebt haben. Da es genau auch das ist, was uns Spaß macht, könnt ihr euch vorstellen, dass es uns gut gefällt. Hier vor Porto auf dem Campingplatz sind auch alle Türen den ganzen Tag über geschlossen, aber, wie zum Beweis der doch vorhandenen Lockerheit, findet sich direkt an der Theke der Rezeption ein Kondomautomat, ist schon ein wenig ungewönlich, wie wir finden.
So, nun auf nach Porto, der Roller und Paul sind schon startklar, bis demnächst, alles Gute für euch!
Es grüßen herzlichst Barbara und Paul
P-0791 Obidos, das koenigliche Hochzeitsgeschenk
P-0838 Batalha, imposanter Klosterbau
P-0745 Palacio da Sintra
P-0916 Coimbra, das Unigelaende
P-0755 Palacio National in Mafra
P-0765 Peniche, Barbara in den Felsen
P-0921 Coimbra,die herrliche barocke Orgel in einer Kirche
P-0849 Batalha, Kunst an der Kathedrale
P-0745 Palacio da Sintra mit Koenig Paul
P-0811 Nazare, der fantastische Blick auf die Unterstadt
P-0816 P Alcobaca, Klosterkirche
P-0887 Tomar, die unglaublich faszinierende Kirche
P-0945 Aveiro, das Venedig Portugals
P-0951 Torreia, Fischerhafen mit den originellen Booten
P-0761a Ericeira Srand bei Nebel
P-0929 Aveiro, das Venedig Portugals
P-0964 Praia de Esmoriz, einer der vielen Traumstraende
P-0761 Uebernachtungsplatz in Ericeira
P-0864 Tomar, eine sehenswerte Stadt
P-0776 Strand an der Lagune von Obidos
P-0854 Fatima, die Pilgerstadt in Portugal