Ein herzliches boa tardes nach Deutschland!
Eigentlich hatten wir ja auf dem von uns ausgesuchten Campingplatz in dem kleinen Örtchen Canidelo, so kurz vor Porto, eine etwas internationalere Atmosphäre erwartet. Nicht daran zu denken! Ein Platz wie die anderen zuvor, allerdings waren immerhin ein Franzose und ein Ungar mit uns noch in der Fremde. Die Touristen kommen wohl eher mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug. Aber nun zu Porto! Das war ein echtes Erlebnis! Zwei Tage lang haben wir es mit unserem Roller, aber hauptsächlich zu Fuß erkundet. Porto liegt, ein wenig wie Lissabon, direkt am Meer und auf mehreren Hügeln. Es ist bei weitem nicht so groß, damit aber positiv überschaubar und nach unserem Eindruck insgesamt harmonischer. Ebenso wie in Lissabon ist längst nicht alles restauriert oder rausgeputzt, auffällig ist dies vor der berühmten Se-Kathedrale. Drumherum leben die Menschen in halb verfallenen Häusern, es gibt eine kleine, sagen wir einfach sehr ursprüngliche Kneipe, die Wäsche flattert im Wind, alles läuft seinen Gang völlig unbeeindruckt von dem historischen Wert der Gegend. Die kleinen, etwas schmuddeligen Geschäfte sind so gar nicht vom Tourismus beeindruckt, geschweige denn verdorben, aber sie machen eben auch kein Geschäft, um die Haushaltskasse aufzubessern. Für uns ist es nur angenehm gewesen.
Am ersten Tag haben wir uns hauptsächlich im Zentrum getummelt. Ein kleiner Stadtbummel in der lebhaften Fußgängerzone, in der alle Geschäfte von Rang und Namen zu finden sind, eine kleine Kaffeepause in einer der vielen Pastellerias, die so köstliche Süßigkeiten anbieten − und das noch so preiswert! Man kommt einfach nicht dran vorbei! Damit die Kalorien wieder ein wenig abtrainiert werden, haben wir den Torre de Clerigos, mit 75m der höchste Kirchturm des Landes, erklommen. Endlose Treppen winden sich im Turm zu einer Aussichtsplattform, die die Sicht auf diese wunderschöne Stadt an der Mündung des Douro freigibt. Sie ist mindestens 20 Fotos schön, hi,hi. Die Besichtigung der berühmten Buchhandlung Lello und Irmao ist natürlich Pflicht. Sie wurde 1906 bereits als Buchhandlung konzipiert und ist ein regelrechter Jugendstiltempel. Dann zum Bahnhof, dessen Vorhalle komplett mit den portugiesischen blauen Kacheln, den Azulejos ausgeschmückt ist und verschiedene Motive zeigt. Es sind Szenen aus dem ländlichen Weinanbau, von Heiligenfesten oder die Geschichte des Transportwesens deren glorreicher Abschluss die Eisenbahn darstellt. Am nächsten Tag sind wir über eine am Vorabend entdeckte, wunderschöne Straße entlang am Meer, vorbei an der Mündung des Duoro und dann an seinem Flussufer, direkt gegenüber von Porto, an den ganzen Portweinkellereien in Vila Nova de Gaia vorbei, in denen der Portwein gemischt und gelagert wird und, interessanterweise, nur von hier aus ausgeliefert werden darf! Aber eigentlich waren wir schon von dem Anblick Portos berauscht! Bevor wir dann am Abend eine Portweinprobe machen wollten, liefen wir nun erstmal über die erstaunliche, doppelstöckige Stahl-Brücke Ponte Dom Luis I. Dann folgte ein Altstadtbummel, die anfangs erwähnte Besichtigung der Se-Kathedrale, die innen wegen Renovierungsarbeiten leider geschlossen war. Unbedingt empfohlen wurde uns von den Franzosen auf dem Campingplatz eine Führung durch die Börse mitzumachen, die nach Einspruch der Lissabonner in den 90er Jahren komplett nach Lissabon verlagert wurde, deren sensationelles Gebäude aber noch von der Stadt für Büros genutzt wird. Die Empfehlung war lohnenswert, es ist ein unglaublich interessantes, herrlich gestaltetes Gebäude, dessen Höhepunkt der arabische Saal darstellte, in dem heute noch Konzerte und Feste stattfinden. Der Saal ist komplett im arabischen Stil gestaltet, überraschenderweise ausschließlich von portugiesischen Künstlern, die 19 Jahre lang daran arbeiteten. Zur Zeit des absoluten Reichtums des Landes wollte man gegenüber ausländischen Gästen mit diesem Saal entsprechend repräsentieren. Das ist bestimmt gelungen! Wir waren fasziniert! Anschließend besuchten wir die direkt angrenzende Kirche Igreja Sao Francisco mit ihren einzigartigen Katakomben. Zur Zeit dieses Kirchenbaus gab es in der Stadt noch keinen öffentlichen Friedhof und so wurden alle Menschen in den Katakomben bestattet.
Nun kam das Kontrastprogramm, wir durchschlenderten das verruchte Altstadtviertel am Hafen, das nachts wegen Drogenhandels lieber gemieden werden soll. Vom Handel bekamen wir nichts mit, aber ein paar jointrauchende Menschen saßen schon herum. Lissabon ist ja übrigens der größte Drogenumschlagplatz Europas, so hat bestimmt auch Portugal insgesamt und Städte wie Porto im Speziellen, große Probleme mit Drogen. Daraufhin haben wir uns den kultivierten Drogen zugewandt und sind zu einer Portweinprobe in die Kellerei der Familie Vasconcellos. Zuerst wird in allen Kellereien eine Führung angeboten und dann kann man einige verschiedene Weine probieren. Von denen, die uns geschmeckt haben, haben wir ein Fläschchen mitgenommen. Da wir noch einen Internetpoint gesucht haben um unseren letzten Bericht an Alexander zu schicken, liefen wir noch kreuz und quer durch die Stadt und entdeckten dabei ein Antiquitäten-Geschäft mit einem richtigen Restaurator. Da wir ein altes Schloss, also kein Königs-Schloss, sondern ein Schlüssel-Schloss von einem Schrank, dabei hatten, in der Hoffnung im Ausland jemanden zu finden, der es reparieren kann, kam uns dieses Geschäft ideal vor. Und tatsächlich. Der Inhaber konnte es sofort reparieren, obwohl er eigentlich zu einem Kunden unterwegs war, und wir haben uns derzeit auf Englisch mit seiner Frau interessant über Land und Leute unterhalten. Anschließend haben wir auch noch den notwendigen Internetpoint gefunden, nachdem wir allerdings nicht für möglich hielten, dass die Leute, die wir danach fragten, uns den richtigen Weg in die richtige Gegend wiesen. Am höchsten Punkt des Ortes sind wir, natürlich schnaubend, weil beladen mit den Weinflaschen, die wir vorher gekauft hatten, in ein kleines Cafe geleitet worden, wo wir, man glaubt es echt nicht, zwei PCs vorfanden, jedoch der Ausblick auf Porto war einzigartig!
Am nächsten Tag fuhren wir auf Empfehlung von unserer Berliner Bekanntschaft aus Lissabon weiter ins Douro-Tal, am Fluss entlang, und fanden wunderschöne Weingebiete mit Terrassen voller Wein, die allesamt für Porto und seinen Portwein angebaut werden. Mit am Schönsten, landschaftlich, war die Überquerung eines Passes in Höhe von 1381m und die Anbaugebiete zwischen Peso de Regua und Vila Real, die immer wieder von Olivenbäumen unterbrochen waren. Unterwegs besichtigten wir in Lamego eine Kirche mit einem effektvollen Treppenaufgang, in Vila Real kauften wir in einem urigen Laden noch mal Wein. Im nächst größeren Ort Guimaraes besichtigten wir eine wunderschöne Burganlage und bummelten durch den historischen Ortskern, der mit vielen unregelmäßig angeordneten Plätzen damals eine neue Stadtgestaltung begründete. Nun stand noch Braga an, das mit seinem Wallfahrtsberg und der Kirche Bom Jesus über alle Grenzen bekannt ist. Aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es regnete! Gerade in der Zeit, als in Mannheim die 35 Gradmarke überschritten war, war?s hier kühl, neblig und regnerisch. So sparten wir uns die 500 Stufen hinauf auf den Berg und fuhren mit dem Wohnmobil nach oben und haben nur die letzten vielleicht 200 Stufen hinab- und hinauferklommen. Die Stadt jedoch mussten wir uns noch unbedingt ansehen, damit wir alle Städte des folgenden portugiesischen Sprichwortes gesehen haben: ?In Porto wird gearbeitet, in Coimbra studiert, in Lissabon gelebt und in Braga gebetet.? Nun, das zu beurteilen steht uns natürlich nicht zu.
Unser Weg geht weiter und weiter, wollt ihr wirklich noch mehr wissen? Also wir schreiben einfach weiter, so wie der Weg uns führt. Und der führte uns nach Barcelos, in dem der Ursprung für das Landestier, dem portugiesischen Hahn, der einem sogar auf Madeira begegnet, zu finden ist. Die Geschichte entspricht folgender Sage?na, mal sehen, ob sich hierfür am Schluß des Berichtes noch Zeit findet.
Erstmal weiter in unseren Ausführungen. Leider haben wir uns auf unseren Reiseführer verlassen, der uns Barcelos als Kunsthandwerkszentrum auch für Töpferwaren beschrieb und als wir nun hier Geschenke kaufen wollten, haben wir nix gefunden. Schade! Zumindest glaubten wir Glück in der Übernachtungsplatzsuche zu haben, denn wir fanden direkt unterhalb der großen Kirche, über einem frischen Wäldchen, das den Fluss von uns trennte, einen ruhigen Platz. Toll! Wie für uns gemacht! Hier bleiben wir! Jedoch, gegen 23 Uhr begann das Übel. Über uns musste wohl eine Diskothek sein, denn die Musik begann, der Bass schlug uns bis tief in die Magengrube und der Besucherstrom mit Autos und das lautstarke Stimmengewirr der Portugiesen rissen nicht ab. Bis morgens um 5 Uhr ging das ganze, wir konnten auch nicht weg, denn wir waren längst zu geparkt. Zum Aufstehen und Mittanzen waren wir einfach schon zu kaputt, so litten wir still. Irgendwie ging die Nacht rum und wir starteten wieder an die Küste, nach Viana do Castelo, wo wir kurz vor der Stadt auf einen Campingplatz landeten, von dem wir Ruhe und Strand erwarteten. Da hier überwiegend Wellensurfer und Kitsurfer, das sind die mit dem Gleitschirm, campen und den ganzen Tag in den Wellen toben nahmen wir an, dass sie abends so kaputt sind, dass nicht so viel gefeiert wird. Und es stimmte. Wir hatten zwei ruhige Abende und vor allem einen tollen Strandtag, zwar wieder mit dem üblichen ozeanischen Sturm am Nachmittag, aber herrlichem Wetter, und jeden Abend natürlich einem guten Gläschen Portwein, hmmm!
Und hier, fü alle Interessierten, noch kurz die Legende des Barcelos-Hahnes:
Demnach kam im 14. Jahrhundert ein galizischer Pilger durch Barcelos. Unglücklicherweise fahndete der Dorfpolizist seit Wochen nach dem Schuldigen einer Untat. Auch dem Richter kam der suspekte Galizier, der sich selbst als Pilger bezeichnete, gerade recht. Er machte kurzen Prozess − in der Schlinge sollte der vermeintliche Täter sterben. Vor der Hinrichtung deutete der Todeskandidat auf die von ihm verweigerte Henkersmahlzeit und wimmerte: Dieses knusprige Hähnlein wird meine Unschuld auskrähen. Als der Brathahn dann wirklich krähte und heftig mit den Flügeln schlug, machte die Falltür schon flop. Dem Galizier rettete jedoch der verklemmte Henkersknoten das Leben!
So sind wir nun auf dem Weg, Portugal nach fast 6 Wochen zu verlassen. Heute ist der 07. Juli und wir setzen uns zu einem Cafe com Leite in das Grenzstädtchen Caminha, um Portugal gebührend zu verabschieden und die Zeit ein wenig Revue passieren zu lassen. Anschließend überqueren wir mit einer kleinen Fähre den Grenzfluß Rio Mino und − sind wieder in Spanien. Buenas tardes, Espagna! Hier fahren wir noch ca. 60km an der galizischen Küste entlang in Richtung Santiago de Compostela. Irgendwie haben wir wohl heute morgen die Zeit verbummelt, das Wohnmobil wieder flott zu machen, Wasser, Abwasser, Toilette, noch mal kurz durchwischen muss auch sein. Na, und dann noch der kurze Besuch in der Grenzstadt Caminha, jedenfalls kommen wir unmöglich bis nach Santiago und machen uns an der Küste eines Fjordes der Westküste an einer reizenden Stelle für die Nacht fertig. Und sind natürlich schon sehr gespannt auf die Pilgerstadt Santiago de Compostela.
Es grüßen herzlichst Barbara und Paul
P-1072 Portweinprobe in Vila Nova de Gaia
P-1052 Porto, die Katakomben der Igreja de S.Francisco
P-1145 Braga,Bom Jesus. Ich steh im Regen...
P-1184 Caminha, noch ein letzter Cafe con Leche in Portugal
P-1164 Barcelos mit Blick auf Barcelhios
P-1024 Porto, die doppelstöckige Ponte d.Luis
P-1137 Braga, Parkanlage
P-1138 Braga, typisch portugiesisches Friseurgeschäft
P-1081 Die Serra de Montemuro - Wein-Terrassen
P-1069 Paul grüßt aus Porto
P-1185 Caminha, Fähre nach Spanien
P-0967 Die Rua de Santa Catarina, eine Einkaufsstraße in Porto
P-0992 Porto, Livraria Lello - Jugendstil-Buchhandlung
P-1129 Mittelalterlicher Platz in Guimaraes
P-1088 Die außergewöhnlichen Treppen von Lamegos Kirche
P-1077 Landschaft am Duoro
P-1107 Weinberge in Cobrigos
P-1002 Porto
P-0976 Bahnhofsvorhalle in Porto
P-0983 Rathaus von Porto
P-1168 Surfer am Strand von Darque
P-1026 Porto, Blick von Vila Nova de Gaia
P-1111Weinberge bei Cobrigos