Bonjour en France, nos amis,
ja, so schnell gehts, schon sind wir wieder in Frankreich. Aber gedanklich gehen wir − ein letztes Mal, schnief − mit euch noch mal zurück zur Reise durch Galicien, Asturien und Kantabrien in Spanien.
Santiago de Compostela! Wir waren voller Erwartungen und sie sind auch nicht enttäuscht worden. Die Altstadt, aus einem Guss aus Granit errichtet, hat durch die Mischung aus realem Leben, vielen Studenten, natürlich vielen Touristen, aber nicht zuletzt wegen der vielen Pilger eine ganz eigene Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Eine lebendige, internationale, freundliche Stadt. Die Kathedrale als absolut imposantestes Gebäude mit mehreren Eingängen von verschiedenen, reizenden Plätzen aus, die einen ins Kirchenschiff führen. Der Höhepunkt hier war der täglich stattfindende Gottesdienst für die ankommenden Pilger. Die drei 97m langen Schiffe und das 65m breite Querschiff waren um 12.00h nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt von Menschen. Pilger, Touristen und Einheimische drängen sich, längst reichen die Plätze nicht aus und die Menschen stehen oder sitzen auf dem Boden und lauschen der Predigt. In die Seitenschiffe wird sie über Bildschirme übertragen, damit auch jeder alles verfolgen kann. Der Höhepunkt des Gottesdienstes ist, zumindest für die, die die unserer Meinung nach sehr weltlich vorgetragene Predigt nicht verstanden haben, das Schwenken des überdimensional großen Weihrauchkessels. Allein die Zeremonie, wie 6 Priester das dicke Schiffstau lösen, den Kessel herablassen, zum Gesang einer Nonne entzünden und dann unter Einsatz ihrer ganzen Körperkraft eindrucksvoll den Kessel zum Schwingen bringen, nicht nur hin und her, sondern auch nach oben und unten, den Schweif des Weihrauchqualmes hinter sich herziehend und das gesamte Querschiff ausnutzend über den Köpfen der Menschen. Auch wir konnten uns dieser Stimmung nicht entziehen, wir genossen die Atmosphäre, die vielen Rucksäcke und Pilgerstöcke, Gruppen von Jugendlichen, die glücklich aneinandergelehnt alles verfolgen. Toll und Hut ab vor allen, die diese Strecke gemeistert haben, allen voran Pauls Schwester Gerda, die den Pilgerweg vor vier Jahren im Alter von 65 Jahren auf dem Fahrrad geschafft hat! Gratulation noch mal von hier, denn erst vor Ort, in dieser Landschaft, können wir so richtig einschätzen, was es bedeutet.
Diese Atmosphäre zieht sich natürlich durch die ganze Stadt und so freut man sich mit jedem, der ankommt und es geschafft hat, jeder mit seiner ganz eigenen Geschichte.
Wir durchqueren die Altstadt zu Fuß in allen Richtungen, besichtigten auch das Parador-Hotel, eines der Paradores, der spanischen Hotelkette, die ihre Pforten immer in historischen Gebäuden eröffnet hat. Dieses reizvolle Hotel hier steht direkt unterhalb der Kathedrale, die übrigens im 11. Jahrhundert auf den Resten der Basilika des 9. Jahrhunderts erbaut wurde und im 18. Jahrhundert zum Abschluss gebracht wurde.
Am 10. Juli, einem regnerischen Tag, sind wir aufgebrochen zum westlichsten Punkt Europas, an dem schon die Römer standen und ihn als Ende der Welt dokumentierten. Deshalb heißt der Ort Finisterre, finis für Ende und terre für Erde. Für uns stand er eher für Weltuntergang, denn der Himmel schüttete Wasser aus Kübeln, der Wind pfiff uns um die Nase und Nebel hinderte jede Sicht über einen Meter. Kurzum: von hier gibt?s kein Foto!>BR>
Nachdem wir unsere Sachen zum Trocknen aufgehängt und eine Tasse heißen Kaffee getrunken haben, fuhren wir weiter entlang der Costa del Morte, der Todesküste, deswegen so genannt, weil unzählige Schiffe aufgrund der rauen See und den Untiefen hier in Seenot gerieten und strandeten, auch viele Schwimmer wegen der starken Strömung ertranken. Die Landschaft allerdings ist fantastisch! Wir fuhren bis kurz vor A Coruna durch saubere, gepflegte Örtchen mit tollen Häusern, liebevoll gestaltete Gärten und haben eher den Eindruck, wir fahren durch die französische Schweiz, denn durch Spanien. Schon vorweg: dieser Eindruck bleibt auch in Asturien und Kantabrien, auch Kastillien-Leon ist eher sauber gepflegt, als südländisch lässig. Wobei man sagen muss, dass auch in Portugal auffällig war, wie sehr auf Sauberkeit geachtet wird. Wir wissen jetzt gar nicht, ob wir das schon mal erwähnt haben, aber die Müllabfuhr arbeitet jede Nacht, überall, auf jeder Straße, an jedem Strand stehen Mülleimer und die Straßenfeger, in Portugal auch viele junge Frauen, sind ständig am arbeiten. Nun zurück nach Nordwest-Spanien, Galicien. Sie haben echt ihren Reiz: die wilden Küsten, die netten Städte, das viele saftige Grün, überall finden sich auch kleine Sandstrände zum Baden − gut, das Wasser i s t kalt − das Essen ist auch gut. Nun, für uns beide, die wir auf Extreme stehen, ist das Landesinnere dann eher zu normal, die Häuser, alles eingezäunt, eher wie bei uns, bis auf einige Riesen-Palmen, die uns daran erinnern, wo wir sind. Herrlich sind die Büsche von meist blauen Hortensien, die uns schon seit Portugal verfolgen, ansonsten erinnert die Vegetation oft eher an den Odenwald.
Sensationell liegt dann allerdings die Küstenstraße zwischen Cedeira und Carino, die durch die Serra de Capelada führt und somit immer wieder den Blick aus der Höhe aufs Meer freigibt. Auf Empfehlung eines Spaniers, den wir am Abend an unserem Übernachtungsplatz am Strand kennen gelernt haben, entschieden wir, uns noch San Andres de Teixido, einen kleinen Wallfahrtsort, anzusehen und dann noch den Nationalpark Picos de Europa zu umfahren. Dazu später. Der Wallfahrtsort hat sich gelohnt, alleine schon die Strecke durchs Gebirge mit seinen Eukalyptuswäldern und, man höre und staune, noch echten Wildpferden, auch die Hochgebirgsfauna − toll! So richtig nach unserem Geschmack! Danke an Daniel Pazos und vor allem noch mal vielen Dank für die Spanien-Flagge, die hat er uns nämlich geschenkt, weil er uns unbedingt etwas schenken wollte. Und sie lag noch im Auto, vom Endspiel Spanien − Deutschland, das er besucht hatte. Diese Geste hat uns sehr gefreut! Am Abend dann haben wir an einem idyllischen kleinen Fischerhafen übernachtet, den wir als guten Platz für unseren ultimativen Portweintest hielten. Wir mussten endlich herausfinden, ob nun die Sorte tawny oder der ruby der bessere ist. Wir haben lange gebraucht, haben uns wirklich bemüht und, wie ihr sicher verstehen könnt, nicht zu schnell entschieden, bis wir uns darüber einig waren: sie schmecken uns beide ausgezeichnet!
Nachdem wir am westlichsten Punkt Europas nix gesehen haben, machten wir uns nun, am 12. Juli, auf, den nördlichsten Punkt der iberischen Halbinsel zu besuchen. Ein Trampelpfad führt vom Leuchtturm aus auf den vorstehenden Felsen, an dem auf einem Stein die Breitengrade eingemeißelt sind. Hiervon gibt es ein Foto, ihr werdet schon sehen! An der Küstenstraße entlang geht?s weiter, hoch über dem Meer, vorbei an einigen wunderschönen Badebuchten, dann ins Landesinnere, bis nach Mondonedo, das nach unserem Reiseführer nur 20km entfernt der Küstenstraße liegt. Von wegen! Irgendwie haben wir wohl die richtige Abfahrt verpasst und sind viele enge Sträßchen durch die Pampa gekurvt und irgendwann dort gelandet. Na ja, so sehr lohnenswert war die Stadt nicht, aber die Fahrt war sensationell! Dann sind wir über die richtige Straße wieder an die Küste gekurvt, um in das schöne Asturien zu gelangen. Hier fühlten wir uns nun richtig wie in der Schweiz, alles fast noch ordentlicher als in Galicien, dazu große Wiesen und Weiden, auf denen Kuhherden grasten. Nur die wunderschönen Kornspeicher, die Horreos, ähnlich denen aus Stein in Galicien, hier aus Holz und etwas größer, erinnern wieder daran, dass wir in Spanien sind. Kurz bevor wir zu dem Nationalpark abbogen fuhren wir noch durch Luarca, einem wunderschönen Städtchen, das wie am Genfer See auf uns wirkte. Voller Leben, so voll, dass wir unmöglich einen Parkplatz mit unserem Riesenmobil fanden, um es zu Fuß zu erkunden, hier wären wir gerne noch geblieben. Da wir aber schon sooo viel gesehen hatten, sind wir weiter in Richtung Oviedo gefahren, und irgendwann hatten wir keine Lust mehr auf die Kurverei und beschlossen, den nächst schönsten Ort zur Übernachtung rauszusuchen und dort Essen zu gehen, denn schließlich ist heute Samstag und außerdem müssen wir ja mal wieder unter Leute, alleine essen wir ja jeden Tag! Der Ort hieß Cornellana. Da vor 20.30h nicht an Essen gehen in Spanien zu denken ist, sitzen wir also um 20.30h in einem kleinen Restaurant, noch ganz alleine. Wir denken, die Spanier kommen halt noch später. Bestellen ein Menü für 12 Euro inklusive Wein und Wasser und Brot. Das Menü war spärlich, diesmal hatten wir kein Glück in unserer Restaurantauswahl. Aber, das lustigste, andere Gäste kamen auch keine mehr. So saßen wir, wie jeden Abend, zu zweit alleine, amüsierten uns allerdings köstlich über unsere Situation und beschlossen außerdem, da das Essen nicht so toll war, die Flasche Wein auf jeden Fall bis auf den letzten Tropfen zu leeren. Danach schliefen wir wunderbar vor einer historischen Kulisse, die wir am Abend, ehrlich gesagt, nicht mehr so richtig wahrnahmen.
Am nächsten Morgen starteten wir dann in die Hauptstadt Asturiens, von der wir total überrascht waren. Beschrieben ist sie im Reiseführer spärlich, denn da sie 1934 während langer Kämpfe im Spanischen Bürgerkrieg schwer zerstört wurde ist nicht mehr allzu viel Historisches zu sehen. Trotzdem beeindruckte sie uns sehr, denn die Häuserzüge in der Innenstadt, die neu aufgebaut wurden, sind außergewöhnlich hübsch und abwechslungsreich gestaltet. Farblich, sowie architektonisch. Hinzu kommen viele Parkanlagen und viel Grün, dann im Hintergrund ein Kranz von Bergen, der alles in ein besonderes Licht setzt. Auch war gerade Sonntag und im Zentrum der Stadt war das totale Leben. Abgesehen von einem Kirchenfest waren viele Leute zum Essen in die Altstadt gekommen. In Asturien ist ja der Sidre das Nationalgetränk und das trinkt hier auch fast jeder, denn beim Servieren bekommt man auf originelle Art und Weise eingeschenkt. Becher und Flasche müssen den weitesten Abstand haben, damit das Getränk sprudelnd in den Becher gelangt. Das wird dadurch bewerkstelligt, dass der Kellner die Flasche über den Kopf, den Becher fast in die Kniekehle hält und dann, ohne zu schauen, einschenkt. Unter großem Hallo, viel Sidre auf dem Boden und vielen Fotos ist allgemein gute Stimmung! So haben wir noch ein paar Tapas dazu genossen und auch den Trubel. Auch eine Dudelsackgruppe und Tänzer spielten und tanzten traditionelle Musik, die, wie wir nachgelesen haben, aus den keltischen Wurzeln Asturiens resultieren. So war es alles in allem ein wunderschöner, sonniger, unterhaltsamer Sonntagmittag für uns. Weiter ging?s dann durch eine ländlich-gebirgige Landschaft bis nach Covadonga, einer Wallfahrtsstätte, fantastisch in einem engen Felstal gelegen, gilt offiziell als Ursprung der Reconquista und der Idee vom spanischen Staat an sich. Ob Fürst Pelajo wirklich solch hochfliegende Pläne hatte, als er 722 hier einen kleinen maurischen Trupp schlug, mag dahingestellt bleiben. Den Mittelpunkt des Wallfahrtsbetriebes bildet die Cueva Santa: hierhin, in die in einer Felswand gelegene heilige Höhle, soll sich Pelajo mit seinen Leuten zurückgezogen haben. Oberhalb von ihr thront auf einem Felsen eine wunderschöne Kathedrale, die im abendlichen Sonnenlicht das warme Licht ihrer rot-gelben Mauern verströmt. Heute fahren wir nur noch bis Cangas de Onis. Hier haben wir noch den landestypischen Bohneneintopf probiert, der für uns nicht so außergewöhnlich toll war, außer der Preis, aber gut geschmeckt hat, und am nächsten Tag kam dann die wunderschöne Fahrt durch den außergewöhnlichen Nationalpark! Die Sonne war schon da, als wir durch eine extrem enge, lange, von einem Fluss begleitete Schlucht hinein ins Gebirge fuhren, auf Straßen, die das Wohnmobil gerade noch zuließen. Herrliche Landschaften taten sich auf, wir überwanden zwei Pässe, einmal ca. 1200m, dann 1600m, konnten bei unserer Mittagspause einen großen Adler relativ nahe über uns in seinen majestätischen Bewegungen beobachten, die Ziegen und Schafherden übers Land ziehen sehen, bis wir in eine Stichstraße einbogen, die uns noch ein Stück ins Innere führte, wo wir mit einer Gondel auf 2000m Höhe fuhren. Dort erstreckt sich ein großes Wandergebiet, was wir für eineinhalb Stunden genossen. Die Nacht blieben wir unter diesen herrlichen Gipfeln auf einem Parkplatz mit anderen Wohnmobilen stehen und so erlebten wir noch einen frischen, weil nur 3 Grad Celsius, Morgen. Nachdem wir wieder zurück am Abzweig waren gingen wir noch ein wenig einkaufen und bummelten durch das ländlich gebliebene Potes. Die Ausfahrt aus dem Park verlief ähnlich der Einfahrt, durch eine nicht ganz so spektakuläre Schlucht gings wieder hinaus und an die Küste. Wir finden, dieser Nationalpark war einer der schönsten Erlebnisse auf unserer Reise. Nach einer Mittagspause in Santillana del Mar, in der wir uns nach ihrer Besichtigung ein Abschieds-Menü in einem parkähnlichen Restaurant auf der Wiese leisteten, fuhren wir nach Santander, durch die Stadt hindurch, die uns auch supergut gefallen hat mit ihren verschiedenen Stränden, dem Hafen und dem Großstadtleben, und dann auf die Autobahn: Richtung Frankreich.
Ja, und da sind wir nun nach einer Übernachtung in einem kleinen Dorf nach der Grenze, auf unserem Lieblingscampingplatz am Atlantik, Cap de L?Homy, angekommen. Hier bleiben wir bis Sonntag, um uns ein paar Tage zu erholen, dann fahren wir noch an der Küste entlang Richtung Bordeaux und je nach Wetter haben wir vor, nächste Woche bis spätestens Freitag, dem 25. Juli, wieder zu Hause zu sein. Dann sind schon wieder 10 Wochen um und wir freuen uns, dass wir so viele schöne, eindrucksvolle Erlebnisse haben, die wir mit nach Hause bringen!
Allen, die uns auf dieser Reise gedanklich begleitet haben, sagen wir vielen Dank und wünschen uns ein gesundes, fröhliches Wiedersehen mit euch!!
Es grüßen herzlichst Barbara und Paul
P-1251 Galicischer Kornspeicher, Horreos, bei Muros
P-1512 Unser köstliches Abendessen in Lit et Mixe am Atlantik
P-1353 Luarca, das wunderschöne Städtchen ohne Parkplatz...
P-1317 Capo Ortegal bei Carino, ein toller Aussichtspunkt
P-1287 Wir grüssen aus der Serra da Capelada
P-1204 Die Kathedrale in Santiago de Compostela
P-1398 Die Basilika im Wallfahrtsort Covadonga
P-1237 Pilger und Touristen in Santiago de Compostela vor der Kathedrale
P-1224 Schwenkstart des Weihrauchkessels in der Kathedrale von Santiago
P-1463 Picos de Europa, Blick ins Gebirge oberhalb von Fuente De
P-1336 Bares, wir haben den nördlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel erreicht
P-1214 Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago de Compostela
P-1375 Oviedo... und wieder eine wunderschöne Kathedrale
P-1269 Wilder Strand an der Küste bei Cedeira
P-1279 Wildpferde bei Cedeira
P-1233 Seiteneingang der Kathedrale von Santiago de Compostela
P-1490 Santillana del Mar
P-1460 Paul der Gipfelstürmer
P-1431 Pico de Europa, Riano an der N621
P-1464 Das TT PuB im Picos de Europa, Pena Vieja
P-1356 Asturischer Holzgetreidespeicher, Horreo, bei Canero
P-1386 So bekommen wir unseren Sidre in Oviedo eingeschenkt
P-1427 Eine mutige Bergziege am Abgrund im Nationalpark Picos de Europa
P-1266 Kurzer Blick auf A Coruna
P-1382 Trachtenkapelle mit Dudelsack in Oviedo
P-1506 Das Casino in Santander
P-1284 San Andres de Teixido in der Serra da Capelada