Burgos und León, zwei reizende Altstädte in Nordspanien

Liebe Blog-Freunde,

heute nehmen wir euch gerne wieder mal ein Stück des Weges mit, nämlich nach Burgos und León.

Auf der Suche nach einem Stell- oder Campingplatz finden wir einen gut gelegenen, der uns zusätzlich eine direkte Buslinie ins Zentrum bietet. Na, ja, da bleiben die Fahrräder doch wieder ungenutzt. Die Buspreise in Spanien sind sensationell im Verhältnis zu unseren, wir zahlen nur €1,50 pro Person.

Burgos ist wirklich ein Kleinod Nordspaniens. Der Name, der ja unübersehbar das deutsche Wort Burg beinhaltet, hat seinen Hintergrund in dem als befestigte Siedlung gebauten Örtchens. Die im Zuge der Reconquista eroberte Region sollte hiermit gegen die Mauren im Süden verteidigt werden. Später entwickelte sich Burgos zu einer wichtigen Stadt am Jakobsweg. Mit ihrer dominanten gotischen Kathedrale zählt sie wohl zu den interessantesten Städtereisezielen von Kastilien und León.

Wir entscheiden uns, unseren Rundgang mit dem Erklimmen von fast 200 Stufen zur Burg zu beginnen, da es bei den Vormittags-Temperaturen noch machbar ist. Meine StepsApp wird mir hinterher erzählen, wir seien 17 Stockwerke hoch gelaufen. 😉 

Nun, das war unser sportlicher Teil – denn die Besichtigung fiel aus, die Burg war geschlossen. 🙁 Es ist Montag, da haben verschiedene Museen und Kirchen zu. Das für euch gleich zur Information! Es hat allerdings unserer Freude an der Stadt keinen Abbruch getan und so sind wir nach dem anstrengenden Teil des Tages in die Kathedrale und haben uns inmitten beeindruckender Architektur und Kunst in Seele und Körper erfrischt. 

Paul freute sich wieder mal so richtig über viele Foto-Motive, sodass wir gleich anschließend durch die Altstadt zum ‚Arco de Santa María‘, dem imposanten alten Stadttor, einem Wahrzeichen der Stadt laufen.

In der Altstadt fielen uns die vorgebauten verglasten Balkone auf, teilweise sogar noch mit den ursprünglichen Holzrahmen, die selbst bei großen, mehrstöckigen Häusern vorhanden waren. Vielleicht wissen das viele von euch bereits, uns half eine kurze Frage bei KI: es handelt sich hierbei um eine traditionelle nordspanische Bauform, die eine Art historischen Wintergarten zeigt. Da es im Norden Spaniens häufiger regnet, sind offene Balkone nicht so praktisch. Es handelt sich also einerseits um einen Wetterschutz, gibt aber gleichzeitig viel Licht und bietet eine bessere Wärmedämmung für die kalten Winter. Auch bietet ein solcher Glasbalkon zusätzlichen Wohnraum, der das ganze Jahr über genutzt werden kann. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galten solche Fassaden als modern und wohlhabend, wie wir nachlesen konnten.

Nachdem wir das Stadttor hinter uns gelassen haben, schließt sich gleich ein breiter, mit Platanen gesäumter Boulevard an, den wir mit einigen Menschen zum promenieren nutzen. Der Schatten der Bäume tut heute richtig gut. Aber dann, dann kommt der Hunger. Wir gehen zurück in die Altstadt, vorbei an verschiedenen Bronze-Statuen, und finden zufällig ein richtig kultiges, spanisches Restaurant, wo die Menschen auf der Straße Schlange stehen. Wir haben Glück und bekommen kurze Zeit später einen Tisch neben der Bar und genießen das Flair und vor allem unser Essen.

Wieder einmal mussten wir feststellen, dass die Spanier bis ca. 16:00h Restaurants und Geschäfte offen haben, dann macht alles zu (und nicht vor ca. 19:00h, manchmal später, wieder auf). Fast überall werden Stühle und Tische weggeräumt und gestapelt, um den Gehweg frei zu machen, nur um sie dann am Abend wieder aufzustellen. Wir haben uns erkundigt, warum das so aufwändige Prozedere gemacht wird und bekamen verschiedenen Begründungen. Zum Teil handelt es sich um öffentliche Gehwege, die nur bei laufendem Betrieb bestuhlt werden dürfen, andererseits zur Straßenreinigung, zur Anlieferung von Waren in den engen Straßen oder wegen der Sonne, weil die auf Stühle und Tische scheint, wenn niemand da sitzt. Egal warum, das ist richtig Arbeit.

Ach ja, und natürlich darf der berühmte Ritter El Cid, dessen Statue in Burgos zu besichtigen ist, in unserem Bericht nicht fehlen. Der tapfere Campeador (Kämpfer), der 1043 in der Nähe von Burgos geboren wurde und unterschiedlichen Herrschern als Heerführer diente, wechselte auch gerne mal die Seiten und kämpfte für die Mauren, was jedoch interessanterweise seinem Ruf nicht schaden konnte. Seine größte Eroberung war im Jahre 1094 Valencia. 

Am nächsten Morgen starten wir nach unseren Wohnmobil-Arbeitseinheiten wie Toilette leeren, Wasser ablassen und auffüllen von Burgos nach León. Das ist gemütlich, denn es sind nur ca. 180 Kilometer. Dort finden wir einen perfekten Stellplatz, von dem aus wir in 15 Minuten in die Stadt gelaufen sind. Nach einer kleinen Mittagspause starten wir in die Stadt. Und wie unsere Laufwege aussehen, wenn wir eine Stadt besichtigen, hat uns unsere Navi-Aufzeichnung eindeutig aufgezeigt. 😂

León ist beschrieben als eine ruhige Stadt, die in Größe und Ausstattung auf ihre Bewohner zugeschnitten ist, und gleichzeitig durch Fernstraßen und Autobahnen perfekt an alle wichtigen Städte des Landes angebunden ist. Genau diesen Eindruck hatten wir auch. Eine trotz ihrer Historie (die Stadt wurde bereits 68 n.Chr. vom römischen Kaiser Galba gegründet, 712 wurde es von den Mauren erobert und 914 von Ordoño II. zur Hauptstadt seines Königreiches León gemacht) und dem Tourismus für uns durch und durch alltagsmässig spanisch geprägte Stadt. In den Geschäften und Restaurants und Tapas-Bars waren mehr Spanier als Touristen, auch wenn auf den Straßen viele geführte Gruppen zu Besichtigungen unterwegs waren und natürlich ein paar Wanderer des Jakobsweges.

Ein Höhepunkt der Stadt ist auch hier die beeindruckende gotische Kathedrale, die mit ihren 1800qm Fensterfläche punktet. Die 125 (!) Fenster sind zum Großteil noch aus dem Mittelalter.

Das einzigartige ‚Casa Botines‘, das Gaudí-Museum, mit seinen vier Türmen an jeder Ecke ist ein echter Touristen-Magnet, wie ihr euch vorstellen könnt. Es wurde 1891 von Gaudí als Wohn- und Geschäftshaus entworfen und 1892 in León gebaut. Es steht neben dem Palacio de Los Guzmanes aus dem 16. Jahrhundert, heute Sitz der Provinzregierung Kastilien und León, in dem Paul sich mit Charme am eigentlich nicht öffentlichen Gebäude ein Foto des Innenhofes erwirkt hat.

Natürlich gibt es auch hier noch so vieles zu entdecken, aber wir gestalten ja keinen Reiseführer, sondern bummeln durch die Welt und halten an den Punkten inne, die uns gefallen oder interessieren. Hier noch ein paar Eindrücke der Stadt – und dann gehts für uns weiter in eine unserer Lieblingsstädte dieses wunderbaren Landes, nämlich nach Salamanca. 

Wir verabschieden uns nun von euch aus León und grüßen herzlich, eure Weltenbummler

Barbara & Paul – und ganz lieben Dank für eure Kommentare. Die freuen uns riesig!

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